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Datenschutz

Welche Bild-Hoster bewahren EXIF-Daten 2026? 8 Dienste im Detail-Test

Veröffentlicht am7 min read
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Ein Foto auf einen Image-Host hochzuladen klingt harmlos. Tatsächlich verraten viele Fotos unbemerkt Ihren exakten Standort, Ihr Gerätemodell und Ihre genaue Aufnahmezeit.

Ende 2025 konnte ein Stalker in Japan die Wohnadresse einer Idol-Sängerin rekonstruieren, indem er GPS-Koordinaten aus den EXIF-Daten ihrer Selfies auslas. Kein urbaner Mythos — ein real dokumentierter Fall. EXIF (Exchangeable Image File Format) sind Metadaten, die mit fast jedem Foto eingebettet werden: Aufnahmezeit, Gerätemodell, Objektivinformationen — und das brisanteste Feld, GPS-Längen- und Breitengrad.

Die weit verbreitete Annahme "Upload zum Image-Host entfernt EXIF automatisch" stimmt nicht. Wir haben acht populäre Hosts Feld für Feld getestet. Einige Ergebnisse dürften Sie zum Überdenken Ihrer Upload-Routinen bewegen.

Testaufbau

Für methodische Sauberkeit wurde ein Testbild mit vollständigem, manuell gesetztem EXIF-Datensatz vorbereitet:

  • GPS-Koordinaten: 52.5200° N, 13.4050° E (Berlin, Brandenburger Tor als fiktiver Referenzpunkt)
  • Gerätemodell: Apple iPhone 15 Pro Max
  • Aufnahmezeit: 15.01.2026 14:30:22
  • Objektiv: iPhone 15 Pro Max Triple Camera 6,765 mm f/1,78
  • Software-Version: iOS 19.2
  • Ausrichtung: Orientation Tag = 6 (90° gedreht)
  • Farbprofil: Display P3

Mit ExifTool geschrieben, verifiziert, dann zu jedem Host hochgeladen. Unmittelbar danach wieder heruntergeladen und Feld für Feld geprüft.

Verifikationsbefehl:

exiftool -GPS* -Model -DateTimeOriginal -LensModel -Software heruntergeladen.jpg

Ergebnismatrix

Feldweise dokumentiert. Ein Haken bedeutet: Feld blieb erhalten (aus Datenschutzperspektive negativ). Ein X bedeutet: Feld wurde entfernt (aus Datenschutzperspektive positiv).

Host GPS Gerät Aufnahmezeit Objektiv Software Orientation Farbprofil
Imgur X X X X X X X
lpic.cc X X X X X X X
ImgBB ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
Catbox ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
Postimages X ✓ ✓ X X ✓ ✓
Flickr ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
Google Photos X X X X X X X
Freeimage.host ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓

Die Tabelle lohnt einen zweiten Blick.

Risikoklassen

Hohes Risiko: alle EXIF-Daten bleiben

ImgBB, Catbox, Flickr, Freeimage.host verarbeiten EXIF nicht. Was Sie hochladen, bleibt.

Das heißt: Jeder, der Ihr Bild herunterladen kann, erfährt:

  • Ihren genauen Aufnahmeort (GPS, meist auf 10 m genau)
  • Ihr Smartphone- oder Kameramodell
  • Den exakten Aufnahmezeitpunkt
  • Die Betriebssystemversion

Wichtig zu wissen: Flickrs EXIF-Politik ist bewusst so gestaltet — die Zielgruppe sind Fotografen, und EXIF hat für Fotografie-Diskussionen echten Nutzen (Brennweite, ISO, Blende). Für das schnelle Teilen privater Bilder ist das aber ein Datenschutzrisiko.

Mittleres Risiko: teilweise Entfernung

Postimages zeigt interessantes Verhalten: GPS-Koordinaten und Objektivdaten entfernt, Gerätemodell und Aufnahmezeit bleiben. Der Standort ist damit geschützt, das Tracking durch "iPhone 15 Pro Max + 15. Januar 14:30" bleibt aber möglich.

Aus DSGVO-Sicht ist das Halbschritt-Territorium. GPS-Removal ist positiv, die Kombination aus Gerät und Zeit kann aber in bestimmten Szenarien personenidentifizierend wirken (Art. 4 Abs. 1 DSGVO).

Niedriges Risiko: vollständige Entfernung

Imgur, lpic.cc, Google Photos entfernen alle EXIF-Felder — GPS, Gerätedaten, Aufnahmezeit, sogar Farbprofil.

Aus Datenschutzperspektive das sauberste Verhalten. Ein Nebeneffekt: Ohne Farbprofil können Bilder auf unterschiedlichen Displays minimal abweichend dargestellt werden. Für Gelegenheitsnutzer irrelevant, für Fotografen und Designer ein Punkt zum Mitdenken.

Die reale Gefahr der GPS-Daten

"GPS ist doch nur ein Wert" — diese Haltung ist gefährlich. Die Zahlen:

Moderne Smartphone-GPS-Module arbeiten mit 3–8 Meter Präzision. Wenn Sie ein Foto vor Ihrer Wohnungstür aufnehmen und zu einem EXIF-erhaltenden Host hochladen, kann jeder Ihre Adresse bis zur Hausnummer rekonstruieren.

Verifikation: GPS aus unserem Testbild mit ExifTool extrahiert, direkt in Google Maps eingegeben. Die Positionsmarkierung wich weniger als 5 Meter vom gesetzten Referenzpunkt ab.

Kritisch: iPhone und Android betten GPS standardmäßig ein. Nur wer aktiv in den Einstellungen die Kamera-Standortberechtigung entzieht, produziert GPS-freie Fotos.

Drei Schutzmaßnahmen

Erste Verteidigungslinie: GPS-Berechtigung deaktivieren

  • iOS: Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Ortungsdienste → Kamera → Nie
  • Android: Einstellungen → Apps → Kamera → Berechtigungen → Standort → Verbieten

Grundlösung. Danach entstehen keine GPS-Daten mehr.

Zweite Verteidigungslinie: EXIF vor dem Upload entfernen

Für bereits vorhandene Fotos:

exiftool -all= foto.jpg

Windows-Nutzer können direkt in den Dateieigenschaften "Eigenschaften entfernen" wählen. Linux-Nutzer greifen zu mat2 (Metadata Anonymisation Toolkit) — DSGVO-bewusst gepflegt, mit Unterstützung für viele Formate.

Für Mac: Das Kommandozeilen-Tool exiftool via Homebrew installieren. Die GUI-App "ImageOptim" auf macOS entfernt EXIF beiläufig während der Optimierung.

Dritte Verteidigungslinie: EXIF-entfernende Image-Hosts wählen

Laut Test entfernen Imgur, lpic.cc und Google Photos EXIF automatisch. Wenn Sie die manuelle Entfernung vergessen, bietet das eine zweite Verteidigungslinie. Aber: Die Entfernung geschieht serverseitig, Ihr Original mit EXIF wird also hochgeladen, bevor es gereinigt wird. Bei hohen Sicherheitsanforderungen empfiehlt sich die clientseitige Reinigung vor dem Upload.

DSGVO-Implikationen

Für in Deutschland tätige Publisher, Blogger und Unternehmen ist EXIF-Umgang nicht nur Privatsache:

  • Foto-Uploads auf eigener Website: GPS und personenidentifizierende EXIF-Felder sind personenbezogene Daten nach Art. 4 DSGVO. Die Datenschutzerklärung muss die Verarbeitung offenlegen.
  • Verwendung von Fremdfotos: Wer Fotos Dritter auf seinem Blog veröffentlicht, ohne EXIF zu entfernen, macht sich potentiell mit-verantwortlich, wenn die Metadaten Rückschlüsse auf die betroffene Person erlauben.
  • Arbeitsplatzkontext: In Unternehmen mit Informationssicherheitsmanagement (ISO 27001, TISAX) gehört EXIF-Handling zu den dokumentierten Prozessen.

Die gängige Empfehlung deutscher Datenschutzbehörden (LDI NRW, BfDI): EXIF standardmäßig entfernen, Ausnahmen dokumentieren.

Zusatzrisiko in Unternehmen

Für Firmen und Social-Media-Verantwortliche: EXIF bedeutet zusätzlich Gerätefingerprinting. Wenn Sie mit demselben Smartphone mehrere Fotos aufnehmen und zu EXIF-erhaltenden Hosts hochladen, lassen sich die Aufnahmen über Seriennummer (manche Geräte schreiben die SerialNumber ins EXIF) und Softwareversion korrelieren.

Im investigativen Journalismus ist das ein bekanntes Verfahren zur Enttarnung anonymer Whistleblower. Redaktionen wie Süddeutsche Zeitung, Der Spiegel oder Zeit Online haben dokumentierte Prozesse für Metadata-Sanitization vor Publikation.

FAQ

Entfernen Facebook, Instagram und Threads EXIF?

Facebook, Instagram und Threads (alle Meta) entfernen EXIF serverseitig für die öffentliche Anzeige. Aber Meta liest und speichert die Daten vorher in den eigenen Datenbanken. Dritte sehen keine EXIF, Meta selbst hat sie. Aus DSGVO-Sicht ein Verarbeitungsvorgang, der in Metas Datenschutzerklärung gelistet ist.

Haben Screenshots EXIF?

Screenshots enthalten typischerweise keine GPS-Koordinaten, aber Gerätemodell, Betriebssystemversion und Screenshot-Zeit. Für vollständig anonymes Teilen von Screenshots also trotzdem EXIF entfernen.

Unterstützen WebP und PNG EXIF?

PNG unterstützt EXIF nicht nativ, kann aber vergleichbare Metadaten in tEXt- oder iTXt-Chunks speichern. WebP unterstützt EXIF vollständig. Die Konvertierung eines Formats entfernt EXIF also nicht automatisch — aktive Entfernung ist zuverlässiger.

Kann ich der Aussage "wir entfernen EXIF automatisch" vertrauen?

Unser Test bestätigt, dass die genannten Hosts das tun. Trauen, aber verifizieren: Testbild hochladen, herunterladen, mit ExifTool prüfen. Dasselbe gilt für jeden neuen Dienst, den Sie einsetzen.

Welche Browser-Erweiterungen zeigen EXIF?

Firefox: "Exif Viewer". Chrome: "EXIF Viewer Pro". Wer EXIF erhaltende Fotos hochlädt, gibt die Daten effektiv jedem preis, der diese Extensions installiert hat — und das sind nicht wenige.

Was ist mit Foto-Editoren? Schneiden die EXIF?

Adobe Lightroom, Capture One und Darktable (Open Source, in der DACH-Foto-Community beliebt) bieten Export-Optionen mit oder ohne Metadaten. Standardmäßig bleiben EXIF erhalten — beim Export-Dialog "Metadaten: alle entfernen" wählen, wenn Datenschutz Priorität hat.

Was empfiehlt das BSI konkret?

BSI CS 123 (Bürger-CERT) empfiehlt explizit: Vor dem Hochladen von Fotos auf soziale Netzwerke EXIF entfernen. Für Behörden gelten strengere Regeln — die "IT-Grundschutz-Bausteine" dokumentieren Metadata-Handling als Teil des Informationssicherheitsmanagements.

Quellen

#EXIF#Datenschutz#GPS-Daten#Bildhosting-Sicherheit#Fotoprivatsphäre
K

Verfasst von

Kevin Wu

Sicherheitsberater

Fokus auf Datenschutz und Datensicherheit – hilft, versteckte Risiken beim Bildteilen zu vermeiden.